Abtei St. Erentraud in Kellenried



w_Benediktinische Impulse

 

Darf es etwas mehr sein?

Als die Wurst noch nicht abgepackt im Kühlregal lag, sondern vor unseren Augen auf die Waage kam, war die Frage fast unausweichlich: „Darf’s etwas mehr sein?“ Es durfte – wenn es um die Wurst ging. Ein wacher Christ kommt nicht an der Frage vorbei: „Kann es auch etwas weniger sein?“ Im Umgang mit Lebensmitteln, Energie, Ressourcen ist der Mensch unbekümmert großzügig – und das auf Kosten anderer und der eigenen Zukunft.

Die Benediktregel sieht für die Fastenzeit vor: etwas weniger an Essen, Trinken, Unterhaltung (Kap.49). Doch das ist nicht alles. Das Leben soll ja wieder in eine heilsame Balance kommen. Darum gehört zu dem „weniger“ auf der materiellen Seite, ein „mehr“ auf der spirituellen. An geistlicher Wachsamkeit dürfen wir immer noch zulegen. Benedikt will dazu ermuntern auf dem Weg dem „heiligen Osterfest entgegen“. Letztlich geht es aber um eine Haltung, die das ganze Leben prägen soll: Dass wir mehr und mehr – „magis ac magis“ (Kap.62) – Gott näher kommen, von seiner Liebe angezogen werden. Übersetzt in unseren Alltag heißt das: Dienst nach Vorschrift ist für einen Christen zu wenig. Statt „du musst“, ist „ich darf“ angesagt. Die Bergpredigt ist da deutlich, wenn statt einer Meile als Pflicht noch die zweite als „Zugabe“ empfohlen wird. Berechnung und Vergleichen machen das Leben anstrengend. Die innere Haltung, es darf auch „etwas mehr sein“, fördert eine heilsame Gelassenheit.

C.D.

 


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