w_Benediktinische Impulse

 

 

Das weite Herz

Spiritualität ist kein Leistungssport. Aber es gibt Sprachbilder, die beide Bereiche berühren. Viele geistliche Meister geben das Ziel vor: ein weites Herz gewinnen. Die Motivation nennt der Dichter Johann Scheffler (1657): „Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben, ach, dass wir Armen nur so kleine Herzen haben.“ Johannes Cassian (+435) hält allein das weite Herz für fähig, Frieden und Ruhe zu erlangen. Ein engherziger Mensch würde jeder Sturzflut von Aggressivität und Depression erliegen. Geduld und Liebe machen den Raum des Herzens so weit, dass Aggressionen rasch verebben können. Auch die Benediktregel bündelt ihre Vorstellung vom geistlichen Fortschritt in der Aussage „es weitet sich das Herz“. – Medizinisch gesehen ist Herzerweiterung (Dilatatio cordis) oft ein Phänomen bei Sportlern; das Herz passt sich der körperlichen Belastung an. Umgekehrt gehört Bewegungsmangel zu den Ursache für Herzenge (Angina pectoris), die mit Angst und Atemnot einhergeht. Die heilsame Empfehlung heißt dann: Mehr Bewegung, Joggen oder Walken.

Genau das möchte auch Benedikt für den geistlichen Weg. Auffallend oft verwendet er die Worte aufstehen, vorangehen, laufen, vorwärts eilen – offenbar fürchtet er Stillstand und Enge. Eine geradezu „sportliche Spiritualität“ ist das! Sie verspricht, wer im „Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes“ (RB, P 49).

C.D.

 

 


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