Abtei St. Erentraud in Kellenried



Wir alle fallen…

 

Spätestens wenn Erntedank gefeiert ist, bekommt der Herbst ein zunehmend ernstes, melancholisches Gesicht.  Auf dem Friedhof werden die Gräber gerichtet, welkes Laub wird zusammengerecht. Im Bild der fallenden Blätter sieht der Dichter Rainer Maria Rilke ein Gleichnis unseres Lebens: „Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. / Und sie dir andre an: es ist in allen.“

Weniger poetisch, aber genau so direkt, spricht die Benediktregel: „Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben“ (4,47). Eine solche Botschaft liegt nicht im Trend der Zeit. Gab es etwa im lebensfrohen Barock eine ausgesprochene Kultur des „memento mori“ (gedenke des Todes), richtet sich unser Interesse heute intensiv auf alles, was die Grenze unserer irdischen Existenz hinausschieben kann. Weil der Tod als Ende wahrgenommen wird und nicht als Grenze, ist er weitgehend ausgeblendet.

Statt Verdrängung wäre es heilsam, dieses „Fallen“ nicht nur als eine kreatürliche Mechanik hinzunehmen. Die Bewegung hat ein Ziel und ein Gesicht. Rilke sieht es so: „Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen / unendlich sanft in seinen Händen hält.“ – Wie ist dieser Eine? Kann ich ihm vertrauen? Benedikts Antwort auf solche Fragen steht am Ende seiner 74 Werkzeuge für die geistliche Kunst: „Und an Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln“ (4,74).

Der Tod bleibt unberechenbar – auch im 21. Jahrhundert. „Sicher ist nur die Barmherzigkeit Gottes“ (Romano Guardini).

 

C. D.


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