Abtei St. Erentraud in Kellenried

nach Psalm 57

Zwischen zwei Welten

 

Zwischen zwei Welten

hast du mein Leben gestellt.

 

Gestern war alles Angst.

Wo warst du gestern, Gott?

 

Wo war ich? – Ich habe dich nicht mehr gesehen -

alles machte mich wund.

Eine böse Welt – außerhalb von mir, in mir? -

zeigte mir ihre Zähne.

 

Können Menschen so sein?

Alles schmerzt, was sie tun,

alles wird mir zur Falle,

jedes Wort zum bohrenden Pfeil.

Warum sind sie nicht anders?

Warum bin ich nicht anders?

Warum ist nicht alles anders?

Warum ist die Welt nicht anders – deine Welt?

 

So habe ich geschrieen, gestern in meiner Angst.

 

Heute ist alles anders. Heute bist du anders.

Es gibt nur eine Welt: deine gute Welt.

Warum lebe ich zwischen zwei Welten?

 

Ich muss es singen: Du bist größer

als unser Herz:

 

Wie der Morgen bist du, der heraufzieht,

bis er Himmel und Erde ins Licht taucht -

unser Dunkel in deine Herrlichkeit.

 

Zwischen Nacht und Morgen, Gott,

hast du mein Leben gestellt.

 

In meinem Lied

leuchtet der Morgenstern.

Es wird nicht mehr lang Nacht sein.

Amen.


Maria Benedikta Ströle OSB
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