Abtei St. Erentraud in Kellenried



w_Benediktinische Impulse

 

Ich habe Zeit

Wer das von sich sagen kann, wird bewundert – oder nicht ganz ernst genommen. Denn für den modernen Menschen ist es zum Statussymbol geworden, keine Zeit zu haben. Jedenfalls hat er keine zu verschenken oder nutzlos zu vergeuden, denn schließlich: Zeit ist Geld!

Aber die Redensart irrt. Geld verdient man – Zeit bekommen wir geschenkt. Sie ist gratis, also reine Gnade (gratia). Gott schenkt die Zeit. Allen Menschen gleich viel! Es kann sich niemand beklagen, er hätte weniger bekommen. Alle haben täglich 24 Stunden. – Ein zweiter Irrtum: „Ich muss Zeit sparen, um ….“ – wer es versucht, wird bald merken, wohin das führt. Wir können Zeit nicht horten. Der Versuch würde nur dazu führen, dass wir ihr ständig hinterher laufen. Dem Geschenk Zeit können wir nur gerecht werden, wenn wir darin den Raum sehen, in dem unser Leben zu der Gestalt hin wächst, die der Schöpfer in uns angelegt hat.

Benedikt hat kein eigenes Kapitel über den Umgang mit der Zeit, aber er gibt allen Lebensvollzügen – dem Beten und Arbeiten, dem Ruhen und Lesen, den Mahlzeiten und dem Schlafen – den angemessenen Zeit-Raum. Wer sein Leben entschleunigen will, findet in einer heilsamen Struktur seines Tages die beste Unterstützung.

Jesu hat sich immer wieder in die Einsamkeit zurückgezogen und lädt auch seine Jünger ein: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ – Ich fühle mich angesprochen, aber kann ich ohne schlechtes Gewissen folgen?

C.D.

 


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