Abtei St. Erentraud in Kellenried

nach Psalm 16

Glück

 

Glück ist Mangelware geworden,
trotz Überangebot.
Ganze Völker begräbt die Lawine
von Produktion und Konsum.
Andere, im Schatten versuchen
so schnell wie möglich
sich ebenso begraben zu lassen.
Aber die billige Ersatzware befriedigt niemand.

 

Konsumenten und Produzenten
sind gleich unzufrieden:
stopfen sich die Taschen voll
und nehmen sich dann doch das Leben:
Es lohnt sich nicht.

 

Es gibt auch noch andere
Glück-Angebote, meist religiöser Art,
die weniger kosten:
die sind für Randsiedler der Konsumgesellschaft,
damit sie vertröstet
zuhause bleiben und nicht rebellieren.

 

Aber es gibt auch Unruhestifter,
die das Gleichgewicht stören
von Produktion und Konsum:
Ob sie Benedikt heißen oder Franz,
Klara oder Vinzenz oder Philipp oder sonst wie:
Sie haben einen anderen Gott
als das Geld und den Lebensstandard;
einen Gott für die Hungerleider und Habenichtse,
für Tippelbrüder und Ausgeflippte;
sie behaupten,
Armsein bedeute Freiheit
und beten:
„Du bist mein Herr, dem ich vertraue –
mein ganzes Glück: DU!“

 

Wo käme da unsere Wirtschaft hin!

 

Dabei sind sie nicht einmal unzufrieden:
sie finden ihr Leben einfach schön,
schön, weil es so einfach ist.

 

Unsere Reklame landet bei ihnen
im Papierkorb –
was soll’s?
Mit billigen Mitteln feiern sie Feste
und freuen sich gemeinsam
über einen anderen,
der längst schon gestorben ist.
Aber sie sagen: er lebt –
und deshalb seien sie glücklich.

 

Seltsames Glück!
Eigentlich
ist es zum Neidisch werden…


Maria Benedikta Ströle OSB
↑ zum Anfang der Seite ↑

 Anfahrt |  Impressum |  Kontakt |  Förderverein